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Karriere lesen - Teil 1

Infos für den eigenen Erfolg

Wo finden Absolventen die besten Informationen zu Karrierethemen? Im Newsletter von access. Spaß beiseite: Wir wissen natürlich, dass wir nicht die einzigen sind. Die Antwort auf die Frage ist etwas komplizierter. In unserer zweiteiligen Serie zeigen wir, wie Wirtschaftsmagazine, Tageszeitungen, Webseiten, Blogs und andere Web 2.0-Formate mit dem Thema umgehen. In Teil 1 starten wir mit der gedruckten Presse; anschließend folgt in Teil 2 eine Übersicht zu Karriereseiten im Netz.

Wirtschaftsmagazine

Für die großen deutschen Wirtschaftsmagazine gehören Karrierethemen zum Kernangebot an die Leser. Nachrichtliches vermischt sich dabei mit Serviceangeboten und Tipps. Manager Magazin, Wirtschaftwoche, Capital & Co. verstehen sich als Pflichtblätter für die so genannten Entscheider, dementsprechend stehen bei Karrierethemen vor allem Führungskräfte im Fokus. Bei den zitierten Fallbeispielen aus der Praxis handelt es sich daher häufig um Manager höherer Hierarchieebenen. Diese Testimonials sind jedoch für Leser mit Vorsicht zu genießen: Es sei ausdrücklich davor gewarnt, die Muster der großen Karrieren von gestern und heute als Schablonen für die eigene Karriere von morgen zu verwenden. Die Karrieren heutiger Dax-Vorstände etwa folgten zum Teil gänzlich anderen Regeln - etwa im Hinblick auf die Verweildauer im Unternehmen. Dennoch bieten die Wirtschaftsmagazine solide Hintergrundinformationen und nützliche Tipps.

Manager Magazin

Bedingungslos pflegt das Manager Magazin das eigene Verständnis als Entscheidermagazin auch beim Thema Karriere: nomen est omen. Ein mehrköpfiges Team um Klaus Werle liefert hier in der gleichnamigen Rubrik Monat für Monat Neuigkeiten und aktuelle Tipps für Führungskräfte. Neue Berufsbilder wie der Compliance Manager, Rezensionen von Managementliteratur und die Karriere von Führungskräften im Alter standen dabei in der Vergangenheit auf dem Redaktionsplan. Außerhalb des Ressorts lassen sich die zahlreichen Geschichten zu Managerrochaden und Königsmorden in den Konzernen mit Gewinn lesen. Wer allerdings im Hinblick auf eine Führungskarriere weder Eisen im Feuer noch Ambitionen im Kopf hat, kann kaum praktische Bezüge zum eigenen Arbeitsalltag herstellen.

Wirtschaftswoche

Weniger elitär kommt die Wirtschaftswoche daher, die in schöner Regelmäßigkeit ihre Leser in der Rubrik Beruf & Erfolg mit Tipps und Tricks zum Überleben im Jobdschungel versorgt. Zuletzt mit einer ausführlichen Strecke zum Thema "Richtig Verhandeln". Ressortleiter Jochen Mai erfüllt seine Aufgabe im Wochenwirtschaftsblatt schon seit acht Jahren und hat sich seitdem fleißig durch manchen Regalmeter Karriere- und Managementliteratur gebohrt. Davon können sich seine Leser immer wieder in den ausführlichen Artikelserien des Magazins überzeugen. Einen Volltreffer landeten Mai und Mannen etwa im Juni 2007 mit der Titelgeschichte "Überleben im Büro", die das Konterfei von Büroüberfiesling Stromberg zierte. Mit vielen Beispielen, Tipps und sehr komprimierten Expertenstatements gab die Redaktion ihr gesammeltes Wissen an die Leser weiter. Mai ist zudem ein passionierter Blogger, aber das ist ein Thema für Teil 2 dieser Serie.

Capital

Karrierethemen nahmen beim auflagenstarken Konkurrenten Capital früher einen breiten Raum ein. Heute ist das Ressort Management aus dem derzeit zweiwöchig erscheinenden Blatt nahezu verschwunden. Nur gelegentlich bringt Capital noch längere Beiträge zu Karrierethemen - meist mit Blick auf die Wunschleserschaft der gehobenen Führungskräfte. Doch Gruner & Jahr, der Herausgeberverlag, hat das Sujet damit nicht aufgegeben. Berichten des Mediendienstes kress zufolge feilt die Kölner Gruner+Jahr-Filiale, die für Capital verantwortlich zeichnet, derzeit an einem weiterem Magazin. Es soll sich dabei um einen neuen Titel für eine "junge, wirtschaftsaffine Zielgruppe" handeln. Das Neptun genannte Projekt verantwortet Capital-Managementspezialist Rudolf Kahlen. Die Leser dürfen gespannt sein, ob etwas wirklich Neues entsteht oder Gruner & Jahr lediglich mit einem weiteren Karrieremagazin die Wettbewerber von FAZ-Hochschulanzeiger und Junger Karriere ein bisschen ärgern möchte.

Junge Karriere und Frankfurter Allgemeiner Hochschulanzeiger

Apropos Junge Karriere. Mit großem Tamtam hatte sich vor nicht allzu langer Zeit die Studentenpostille Junge Karriere in karriere umbenannt. Aus dem Blatt sollte ein "junges Wirtschaftsmagazin" werden. Mit der Oktoberausgabe 2007 heißt die gute, alte Junge Karriere jetzt wieder so wie gewohnt, der ehemalige Chefredakteur widmet sich schon seit einigen Monaten "anderen Aufgaben" und der Verlag hat den Relaunch des Relaunchs offiziell verkündet. Damit heißt es für den Handelsblatt-Ableger: zurück in Reih und Glied. Im Septemberheft verkaufte das Heft den Umbau als "Frischzellenkur": Die Junge Karriere bleibe "das Ratgeber-Magazin für Studierende, Absolventen und Berufseinsteiger". Die "Junge Karriere" hat einen großen Konkurrenten, den Frankfurter Allgemeinen Hochschulanzeiger. Beide Publikationen sind vor allem für Studierende und Absolventen von Interesse, die sich über Einstiegsmöglichkeiten in verschiedenen Branchen und Unternehmen informieren möchten. Sternstunden des Enthüllungsjournalismus dürfen die Leser dabei nicht erwarten, wohl aber solide recherchierte, ansprechend präsentierte und häufig besonders detaillierte Informationen zu Einstiegschancen sowie Tipps für Jobneulinge.

Tageszeitungen

Nach wie vor bestimmt ein in fast allen Tageszeitungen eingebauter Informationsfilter, wo in den Blättern Themen mit Bezug zur Jobwelt landen: nicht im Wirtschaftsteil, wo die meisten Leser sie spontan vermuten würden. Vielmehr wandern Artikel über die sich ändernden Anforderungen an Bewerber, oder neue Karrieremöglichkeiten für Spezialisten oder Work-Life-Balance nahezu automatisch in das redaktionelle Umfeld der Stellenmärkte. Dort hübschen sie die Umgebung der Stellenanzeigen auf und erreichen Leser, die sich aktuell über so etwas Gedanken machen. Das Ergebnis: Fast alle Tageszeitungen mit Niveau haben die Berichterstattung zu Themen der Karriere an diese Seiten delegiert.

Frankfurter Allgemeine Zeitung und Süddeutsche Zeitung
Mit dem Launch des Jobportals der FAZ im Internet wurden im September 2006 auch die Beruf und Chance genannten Karriereseiten im Print neu gestaltet. Eher abseitige Artikel wie die zuvor zahlreichen bunten Lesegeschichten zu exotischen Berufen oder Ausbildungen ("Clownsschulen") sind auf dem Rückzug. Derzeit liefert die FAZ von allen deutschen Tageszeitungen die ausführlichste Berichterstattung zu Karrierethemen. Im vorderen Teil der Samstags erscheinenden Seiten Beruf und Chance finden sich Beiträge für Berufstätige, auf der Schlussseite Campus gibt es Infofutter für Studierende. Zusätzlichen Raum für Karrierethemen räumt der Verlag mit einer Seite in der Sonntagsausgabe ein. In der Quantität und Auswahl reicht die Süddeutsche Zeitung da nicht ganz an die Frankfurter heran: Samstags gibt es meist zwei Seiten Beruf und Karriere beim auflagenstärkeren Konkurrenten aus München, manchmal auch nur einen Einseiter. Die Qualität aber stimmt: Neben Interviews und längeren Exklusivbeiträgen bietet die SZ kleinere Meldungen und Nutzwertiges, wie zum Beispiel die Ratschläge von "Jobcoach" Christine Demmer.

Die Welt und andere Tageszeitungen

In der Samstagsausgabe der Welt finden die Leser eindrucksvolle acht Seiten Karrierewelt, einen großen Teil der Fläche füllen allerdings Anzeigen. Das Spektrum der Themen reicht von der Jobsituation in bestimmten Branchen, über Berufsbilder und Weiterqualifizierung bis zu Hochschulthemen und entspricht in etwa der Auswahl der anderen, großen Tageszeitungen. Neben den überregionalen Blättern verfügen auch die großen, renommierten Regionalzeitungen über einen gut gemachten Karriereteil in der Samstagsausgabe, zum Beispiel Beruf & Erfolg beim Hamburger Abendblatt. Hier spielen häufig Arbeitgeber und Branchen aus der Region eine besondere Rolle. Generell gilt die Regel: Je kleiner die Zeitung, desto dürftiger die Berichterstattung zu Karrierethemen. Bei den Lokalzeitungen reicht es dann nur noch für einen oder zwei dürftig aus Agenturmaterial befüllten Beiträgen auf dem "Deckblatt" des Stellenteils.

Handelsblatt

Wer nicht bis Samstag warten kann, um seinen Hunger nach Karriereinfos zu stillen, sollte ins Handelsblatt schauen. Die Wirtschaftszeitung veröffentlicht die Seiten Management & Karriere in ihrer Freitagsausgabe, da sie nur an fünf Tagen in der Woche erscheint. Auf den Karrriereseiten des Handelsblatts findet sich häufig sehr gut Recherchiertes, bisweilen auch bissig Formuliertes zu Jobwelt-Themen. Der Titel der Seiten ist durchaus Programm, hier geht es auch um Management-Neuheiten, zum Beispiel Trends in Marketing und Vertrieb. Die Artikel richten sich vor allem an Fach- und Führungskräfte mit einigen Jahren Berufserfahrung.


Manfred Böcker, freier Journalist, Köln
Feedback: manfred.boecker@personaltext.de

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