Fragen im Bewerbungsgespräch - Teil 1Was dahinter steckt
Seit 1999 leitet Gitte Härter gemeinsam mit Christine Öttl das Beratungs- und Trainingsunternehmen objektiv. in München. Ihre Beratungsschwerpunkte sind Selbstmarketing, Bewerbung und Karriere. Zuvor war Härter jahrelang im Management eines internationalen Medienkonzerns tätig und hat dort auch selbst Gespräche mit Bewerbern geführt.
Personaler Frage 1: Warum interessieren Sie sich speziell für unser Unternehmen?
Gitte Härter: Unglaublich, aber wahr: Bereits bei dieser Frage haut es viele Bewerber aus der Bahn. Dabei ist das ja der entscheidende Punkt überhaupt. Jeder Bewerber hat Gründe, warum er sich bewirbt, doch nicht immer kann man diese Gründe in Worte fassen – oft sind sie einem auch gar nicht so richtig bewusst. Für ein Unternehmen ist dagegen nicht nur wichtig, dass ein Bewerber persönlich und fachlich passt – natürlich möchte man auch jemanden einstellen, der auch genau zu diesem Unternehmen will. Und genau dieser Willen macht einen großen Unterschied, wenn man die Wahl aus einem Meer ähnlich qualifizierter Bewerber hat.
Tipp: Werden Sie sich vorher darüber bewusst, warum Sie sich ausgerechnet bei dieser Firma/für diese Stelle bewerben – am besten schriftlich. Um sich selbst mehr Klarheit über die eigene Entscheidung zu verschaffen, machen Sie folgende Übung: Gehen Sie den Stellenmarkt durch und verbleiben Sie einmal bei jenen Anzeigen, die Sie auf den ersten Blick gar nicht interessieren. Fassen Sie zunächst in Worte, warum Sie sich dort nicht bewerben möchten. Umgekehrt machen Sie sich dann konkretere Notizen, warum Sie andere Anzeigen ansprechen. So kommen Sie der Frage auf den Grund, was für oder gegen eine bestimmte Stelle spricht. Positiver Nebeneffekt: Sie gehen nicht oberflächlich vor.
Personaler Frage 2: Wie sehen Ihr Ausbildungsweg und Ihre bisherige Praxiserfahrung aus?
Gitte Härter: Natürlich kennt Ihr Gegenüber Ihren Werdegang schon aus der schriftlichen Bewerbung und vermutlich hat er oder sie im Gespräch auch Ihren Lebenslauf vor sich liegen. Bitte sagen Sie jetzt aber nicht, dass doch alles im Lebenslauf nachzulesen ist. Verkehrt wäre es auch, den Lebenslauf einfach noch einmal herunterzubeten. Die Frage nach dem bisherigen Werdegang erfüllt mehrere Aspekte: Man möchte etwas mehr erfahren als die bloßen Stationen Ihres Lebenslaufes. Außerdem achtet man auf den Eindruck des Bewerbers: Was und wie erzählt er? Gibt es einen roten Faden, ein konkretes Ziel? Wie selbstreflektierend ist der Bewerber? Das Schöne für den Kandidaten ist dabei, dass es hier Super-Chancen gibt, sich für die konkrete Position noch interessanter zu machen. So kann man zum Beispiel bestimmte Stationen, die gut auf die aktuelle Stelle passen, intensiver schildern.
Tipp: Erzählen Sie sich vor dem tatsächlichen Gespräch einmal selbst Ihren Werdegang. Sie werden sehen, dass das gar nicht so leicht ist. Übrigens brauchen Sie nichts auswendig lernen: Schauen Sie ruhig – auch im Gespräch selbst – auf Ihren Lebenslauf. Dazu ist es sinnvoll, sich eine Kopie der Unterlagen mitzubringen. Wenn Sie einen Kassettenrecorder bei der Hand haben, nehmen Sie sich einmal selbst auf. Dann können Sie es hinterher abhören – und merken schnell, ob Sie langweilig Fakten aneinanderreihen, oder ob Sie interessant und lebendig von sich erzählen. Das Üben ist auch deshalb notwendig, weil man sonst spontan ins Plappern gerät und möglicherweise viel zu lange und ausschweifend wird: Kommen Sie auf den Punkt!
Personaler Frage 3. Wie würden Sie sich selbst kurz charakterisieren?
Gitte Härter: Man könnte meinen, dass das eine einfache Frage ist. Denn man kennt sich ja selbst am besten – oder? Tatsächlich finden viele Menschen aber gerade diese Frage sehr schwer: Was soll und darf ich sagen? Ich will ja weder als Angeber noch mies ankommen. Bei dieser Frage geht es meist darum, zu sehen, wie Sie mit ihr umgehen und wie selbstreflektierend Sie sind. Der Inhalt spielt keine so große Rolle – denn behaupten kann man viel. Doch gilt natürlich auch hier: Wer eine überlegte Selbsteinschätzung abgibt, wird auch überzeugend und natürlich ´rüberkommen.
Tipp: Überlegen Sie sich, mit welchen fünf Eigenschaftswörtern man Sie identifizieren kann. Wichtig ist, sich tatsächlich auf fünf zu beschränken. Hinterfragen Sie anschließend jede dieser Eigenschaften noch einmal einzeln: Was genau meine ich damit? Was ist ein Beispiel dafür, wie ich diese Eigenschaft gelebt habe? Gibt es eine andere Eigenschaft, die treffender ist – jetzt, da ich sie genauer hinterfragt habe? Wichtig: Bleiben Sie authentisch! Bewerber, die diese Frage dazu nutzen, irgendein toll klingendes Bild zu zeichnen, erweisen sich keinen Gefallen.
Personaler Frage 4: Was sind Ihre größten Stärken und Schwächen?
Gitte Härter: „Meine größte Schwäche ist, dass ich zu genau arbeite!“ Das ist mein persönlicher Klassiker unter den Pseudo-Antworten. Die Stärken/Schwächen-Frage macht den meisten Bewerbern große Probleme. Nicht nur, weil sie befürchten, das Falsche zu sagen, sondern vor allem, weil sie oft selbst nicht wissen, was ihre Stärken und Schwächen sind. Dazu kommen weitere Unsicherheiten: „Eigenlob stinkt doch, oder? Was ist, wenn ich jetzt eine Schwäche zugebe und mich ins Aus katapultiere?“ Auch hier geht es in erster Linie darum, den Umgang der Bewerber mit der Frage zu bewerten.
Tipp: Wichtig ist also bei dieser Frage, sich wieder vorab mit sich selbst auseinanderzusetzen: Was sehe ich als Stärke an? Was sehe ich als eine Schwäche? Was könnte ich dafür tun, um sie auszugleichen? Bitte vergessen Sie nicht die konkreten Beispiele: Wer von sich behauptet, ein toller Teamplayer zu sein, muss auch eine Antwort haben, wenn die Frage kommt: „Was verbinden Sie damit?“ Auch der tausendste Bewerber behauptet von sich, flexibel, kommunikativ, teamfähig und innovativ zu sein. Was ist denn beispielsweise flexibel? Und denken Sie daran, dass Ihre Aussagen mit dem Gesamtbild stimmig sein müssen. Hier fliegen Pseudos nämlich schnell auf: Da wird auf der einen Seite behauptet, man sei wahnsinnig kommunikativ, und auf der anderen Seite sitzt vor mir ein Bewerber, dem ich alles aus der Nase ziehen muss. Natürlich kommt es auch darauf an, wie Sie etwas sagen. Wenn es um Schwächen geht, heißt das ja nicht, dass Sie sich negativ darstellen sollen. Aber es ist wichtig, konkret zu sagen, worum es geht, warum das in gewisser Hinsicht eine Schwäche ist und wie Sie damit umgehen – beziehungsweise was Sie aktiv tun, um das zu verbessern.“
Personaler Frage 5: Wie sind Ihre Computerkenntnisse/Sprachkenntnisse?
Gitte Härter: Ob es um Computerkenntnisse oder um Sprachen geht: Hier ist wichtig, unbedingt konkret und aussagekräftig zu formulieren. Ich hatte viele Bewerber vor mir, die sich als gut eingeschätzt haben, obwohl sie supergut waren. Andererseits hatte ich Bewerber, die sich als die großen Meister hingestellt haben und bei einem anschließenden simplen Test nicht mal die Basics konnten.
Tipp: Bei derlei Fragen sollten Sie deshalb immer mehr sagen als nur eine kurze Einschätzung. Also nicht nur „Meine Computerkenntnisse sind gut" , sondern „Ich bin fit am Computer, beruflich und auch zu Hause arbeite ich viel mit dem Microsoft Office-Paket. Word und Excel kann ich aus dem EffEff. Powerpoint geht so.“ Fragen Sie ruhig auch von sich aus, was genau erforderlich ist. Sagen Sie offen, wenn Sie etwas gar nicht oder nicht so gut können. Wichtig ist natürlich schon, dass Sie Defizite, die definitiv gebraucht werden, von sich aus beheben. Wer sich für eine Stelle bewirbt, wo viel zu schreiben ist, sollte zum Beispiel das Zehn-Finger-System gut können oder sich aneignen. Dasselbe gilt für Sprachen: Wer sich bei internationalen Unternehmen bewirbt, muss fast immer Englisch sprechen können. Wenn Sie dem Unternehmen bei der Einstellung versprechen, ein Defizit selbst zu beheben, also zum Beispiel einen Computer-Kurs zu belegen, ist es elementar, dass Sie dieses Versprechen auch halten. Ich habe leider zahlreiche Leute auf Basis solch eines Versprechens eingestellt, um hinterher festzustellen, dass, sobald sie die Stelle fest hatten, plötzlich keine Rede mehr davon war.
Linktipp:
Die Homepage von Gitte Härters und Christine Öttls Beratungsunternehmen "objektiv". unter www.selbstmarketing.de.
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